Unpacking my Library

Mittwoch, 24. Mai 2006

Colin Parker

Vorweg möchte ich erwähnen, dass ich mich in meinen Beiträgen zur schottischen Kunst weitestgehend auf die Wiedergabe meiner eigenen subjektiven Eindrücke beschränke, die keineswegs deckungsgleich mit der Intention der Künstler sein müssen. Kann natürlich mal vorkommen, dass ich mehr Recht habe als die! -Shit happens-

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Colin Parkers Arbeit setzt sich zusammen aus Zeichnungen, einer Radierung, dem Kernstück: Einer maschinenartigen Fernrohrkonstruktion, sowie der Verpackung des Ganzen, einem Holzkoffer (siehe Abbildungen).
Das Werk, besonders die Radierung, erinnert sehr an Bauzeichnungen Leonardo da Vincis aus dem 15./16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, und deren hölzerne Umsetzungen.
Auch Colins Maschinerie ist tatsächlich dazu gedacht einen "praktischen Nutzen" zu erfüllen, ihre Aufgabe ist es auf die Sonne gerichtet zu werden, deren Strahlen zu bündeln und auf die montierte Holzplatte zu werfen. Da die Sonne wandert, müsste die Konstruktion ebenfalls in Bewegung gehalten werden, soviel ist bei mir zumindest noch aus dem Gespräch mit dem Künstler hängengeblieben. Vor allem die Zeichnungen, die u. a. die Sonne mit der Aufschrift "DEUS", sowie eine an dieselbe angelehnte Leiter darstellen, tragen viel zum Verständnis des Arrangements bei. Sie beinhalten Hinweise auf eine, am eheseten in der keltischen Mythologie anzusiedelnden Metaebene, den Glauben an einen Sonnen- bzw. Himmelsgott, die Verbindung des Irdischen mit dem Göttlichen, oder vielmehr dem Streben des einen nach dem anderen und damit die Hybris des Menschen.
Die Innenseite des Kofferdeckels trägt die Inschrift "Sanctum Sanctorum", was soviel bedeutet wie "das Allerheiligste", wodurch das enthaltene Intrument als Apparatur zur Projektion des Göttlichen auf die Erde deklariert wird. Der Wunsch des Menschen seine Existenz, die Existenz seiner Herkunft, die seines Schöpfers und überhaupt zu begreifen ist inhärent.

Donnerstag, 18. Mai 2006

Neues Semester, neues Layout, Unpacking my Library

Das Äußere dieser Seite hat erstmals eine Abwandlung erfahren und ist damit nun bunter, farbenfroher und lebensbejahender gestaltet als je zuvor. Für positives Feedback bin ich dankbar, alles andere verkneift ihr euch bitte. Harhar!

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Auf obig genannte Ausstellung möchte ich an dieser Stelle noch gerne hinweisen. Derzeit stellen die sechs schottischen Künstler Craig Coulthard, Jamie Miller, Scott Laverie, Paul Penrice, Colin Parker und Stephen Hunter in der Bibliothek der Uni Flensburg aus. Zu sehen ist überwiegend Objektkunst, aber auch Radierung, Zeichnung und Schrift sind vertreten. Für mich persönlich anfangs schwer zugänglich, bei näherer Betrachtung und intensiverer Auseinandersetzung, wie gestern im Rahmen eines Workshops mit den Künstlern geschehen, entdeckt man jedoch überaus spannende Arbeiten und Herangehensweisen. Evtl. werde ich in nächster Zeit einige davon hier vorstellen, leider haben die Batterien der, von Gunnar zu diesem Behufe entliehenen, Kamera zu früh den Geist aufgegeben, als dass ich jedes Exponat einzeln hätte bildlich dokumentieren können.
Im übrigen bin ich Besitzer des einzigen, komplett signierten Ausstellungsplakats, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Craig Coulthard:

Craig Coulthard - Corporal Maheshumer

The IRA gun attack, which took place on 26th October 1989 killed Corporal Maheshumer Islania of the Royal Air Force and his 6 month old daughter Nivruti Mahesh Islania who was in the car with her father as they went to a Schnell Imbiss in Wildenrath village.

Craig Coulthard befasst sich in seiner Arbeit mit den Umständen des Todes Maheshumer Islanias und dessen sechs Monate alter Tochter Nivruti Mahesh Islania. Zu sehen sind ein Holzkoffer, ein Buch, sowie ein Banner, die auf bzw. über einem mit einer schwarzen Decke bedeckten Podest angeordnet sind. Die Arbeit erinnerte mich sehr stark an den Stammheim-Zyklus Gerhard Richters, was unter anderem auch auf eine Verwechslung beim überfliegen der ersten paar Seiten des Buches zurückzuführen ist (RAF=Royal Airforce, nicht Rote Armee Fraktion), aber auch auf Parallelen wie die Abbildung einer Trauerfeier, sowie die eines Portraits.
Beiden Arbeiten liegt damit eine eng verwandte Thematik zugrunde. Das Hauptstück der Arbeit Craig Coulthards ist das ausliegende Buch, welches Interviews mit den Eltern und der Schwester des Künstlers enthält, in denen es um die individuellen Erinnerungen der Familienmitglieder an den Tag der Tragödie geht. Es ist dabei wichtig zu wissen, dass Craigs Vater zu der Zeit als Mitglied der Royal Airforce in Wildenrath stationiert war, und die Familie sich zum Zeitpunkt des Attentats in nicht einmal 400 Metern Entfernung zum Ort des Geschehens aufhielt.
Mir persönlich sind bislang lediglich Auszüge der Interviews bekannt, unter anderem gibt der Vater im Interview an, nicht im Haus gewesen zu sein, während Craig sich daran erinnert mit ihm Karten gespielt und sogar die Schüsse gehört zu haben.
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert die Umstände einer furchtbaren und sinnlosen Begebenheit, indem die "Fakten" von einem anderen Blickwinkel beleuchtet, und damit auf eine persönlichere Ebene gebracht werden, die den Betrachter auf eine ungewohnte Weise anspricht.
Das von Menschen individuell erlebte wird veranschaulicht, die unbegreifliche, unfassbare Seite der Tat aus dem Kontext der Massenmedien, Nachrichten und nüchternen Berichterstattung herausgelöst und der Betrachter direkt damit konfrontiert.
Auf künstlerisch-medialer Ebene hat die Humanisierung einer Tragödie stattgefunden, die andernfalls durch fernsehgewohnte, abgestumpfte Hirne gerauscht, als undefinierter Bestandteil an den IRA/Terrorismus-Klumpen angefügt worden und unmittelbar danach in Vergessenheit geraten wäre.

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