Die Geier sitzen auf dem Baum
Furchterregend anzuschaun
Warten alle auf den Tod
Nicht den eignen, Andrer Not
Knurrend, zischend
Jammernd, wissend,
Dass wenn jemand kreucht vorbei,
Und erst ist’s ihm einerlei,
Wird sich wundern, wenn er dann,
Weil er nicht mehr weiter kann,
Der Geier Hunger Opfer wird,
Von vielen Schnäbeln rasch verzehrt.
Von den Klauen klein gerissen
Wider besseres Gewissen,
Dass ihn jemand könnt’ vermissen.
Den Geiern ist es eh egal
Andres Wesen, andre Qual.
Leiden soll, wer leiden kann
Leid, nur Leid für jedermann.
Sitzen da und gaffen stumm,
Hoffen bald kommt jemand um,
Was Zerstreuung ihnen brächte,
Sie ersehnten viele Nächte.
Sind so traurige Gestalten,
Nur Vergangnes sie erhalten,
Nichts könnt wahre Freud bereiten
Nichts zum Glücke sie geleiten.
Brennt dann noch die Sonne nieder
Wird’s auch heiß unterm Gefieder,
Kocht das Hirn im kahlen Kopf
Und so leer ist schon der Kropf,
Kann es niemand mehr erwarten
Sich an totem Fleisch zu laben.
Gieren nach des Nächsten Leichnam
Mordlustig, dabei doch wachsam,
Könnt ums eigene Leben gehen,
Der Tod schon um die Ecke stehen.
Keiner weiß sich jetzt noch Rat
Schreitet einer nun zur Tat,
Hackt dem Bruder ins Genick
Packt am Hals ihn mit Geschick,
Wird dann selbst herumgerissen,
Wer es war wird er nie wissen,
Stürzen alle auf und nieder,
Schmerz durchfährt der Meisten Glieder,
Gottverdammte, blöde Geier!
Haut euch doch alle tot!
Mir doch egal!
Michael Struck - 24. Dez, 17:45