Lost Boys
Öl auf Leinwand
130 x 190 cm
Die letzten ca. zweieinhalb Monate wurden nahezu vollständig von der sehr aufwändigen Arbeit an dieser Malerei vereinnahmt. Aufwändig vor allem, weil eines meiner Anliegen war, über hundert (114) individuelle Porträts auf der ungrundierten Leinwand unterzubringen und zu vereinen.
Als Vorlage für diese Arbeit diente eine kleinformatige Fotografie einer HJ-Gruppe vor einem Wald, auf der 116 Personen abgebildet sind. Die Entscheidung zwei davon nicht in die Malerei zu übernehmen hat mit der malerischen Umsetzung zu tun und ist nicht inhaltlich bedingt.
Die Entscheidung für dieses Motiv fiel nicht besonders leicht, da das Risiko des Kippens der Malerei ins Plakative, Reißerische natürlich immanent ist. Legitim aber vor allem, weil die Fotografie einen Betrachter zu einem gewohnheitsmäßigen Schubladendenken verleiten mag, das mit der Konfrontation mit derartigem dokumentarischen Material oft einhergeht. Diesen Blickwinkel auf die Malerei wirklich gänzlich auszuschließen war nicht mein Anliegen, da auch eine derartige Sicht zumindest möglich, wenn auch nicht sinnvoll, sein muss, um eine andere Wirkung zu erzielen.
Ein Ausschließen dieses oder ähnlicher Motive käme vor allem aber auch einer Zensur oder zumindest einem unreflektierten, kategorischen Ausschließen gleich, das mir im Rahmen meiner Arbeitsweise unangemessen erscheint.
Wichtig bei dieser Malerei ist vor allem auch die kontrastierende Nah- und Fernwirkung, die Auswirkungen auf das Schärfeverhältnis zwischen Wald und Individuen hat und deren jeweils entfernungsabhängig wechselnde Wirkung. Eine optimale Entfernung für die Betrachtung des Bildes gibt es nicht und das gilt für jede auch metaphorische Auffassung des Begriffs „Entfernung“. Es kann vielleicht mehr um Missbrauch, Gruppe, Individuum, Mensch und Jugend gehen, als um vordergründigen historischen Kontext und damit einhergehende Konnotationen.
Soviel in aller Knappheit. Für Fragen bin ich gerne offen, vor allem, weil die obigen Erläuterungen noch um ein vielfaches zu erweitern wären.
Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass die hier mögliche Darstellung natürlich nur eine Idee von der tatsächlichen Bildwirkung vermitteln mag.